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Capoeira | Afro-brasilianischer Kampftanz

Capoeira ist die Bezeichnung für eine afro-brasilianische Kampf-Tanz-Kunst. Sie entwickelte sich vor ca. 300 Jahren auf den Plantagen Brasiliens und symbolisierte den Widerstand der afrikanischen Sklaven und den Kampf ihrer Befreiung gegen die Unterdrücker. Capoeira entstand aus einer Vermischung verschiedener kultureller Einflüsse unterschiedlicher afrikanischer Gruppierungen und aus der Verbindung von Kampf, Tanz, Musik und Gesang.

Geschichte der Capoeira

Die Capoeira wurde über Jahrhunderte ununterbrochen verfolgt und unterdrückt. Nach der Abschaffung der Sklaverei im Jahre 1888 erreichte die Verfolgung der Capoeira ihren Höhepunkt und wurde gesetzlich verboten. So wurde der Kampf-Tanz Anfang des 19. Jahrhunderts im Untergrund der großen Städte Rio de Janeiro, Recife und Salvador de Bahia weitergeführt und weiterentwickelt. In Rio bildeten sich z. B. Gruppen von armen Leuten und Schwarzen, die mit Klappmessern bewaffnet durch die Straßen zogen und blutige Kämpfe mit der Polizei oder anderen Banden ausfochten. Später entstand der Mythos des Malandros, eines positiv bewerteten kleinen Gauners, der mit seinem Messer, seinem Hut und seiner Ginga (Bezeichnung des wiegenden Grundschritts) in vielen Sambaliedern besungen wurde.

Erst im Jahr 1937 gelang es dem berühmten Meister Bimba, die politischen Machthaber vom kulturellen Wert der Capoeira zu überzeugen. Unter stillschweigender Duldung der Polizei hatte er eine Capoeira Schule gegründet und erhielt die offizielle Bewilligung „zur körperlichen Schulung der Jugend“ die erste Capoeira Akademie zu leiten. Aufbauend auf den traditionellen Bewegungen der Capoeira-Angola, die z.B. von dem berühmten Mestre Pastinha fortgeführt wurden, veränderte Mestre Bimba die Capoeira und baute Bewegungen anderer Kampfsportarten ein. Bimba nannte seine neue, den veränderten Lebensverhältnissen angepasste Richtung Capoeira-Regional. Nach und nach wurde die Capoeira als brasilianisches Kulturgut angesehen und verbreitete sich über das ganze Land. Anfang der 60er und 70er Jahre verbreitete sie sich stärker und wurde auch in den U.S.A., in Europa und anderen Teilen der Welt bekannt.

Capoeira ist unabhängig von Geschlecht, Alter und Herkunft. Es ist die Freude sich zu bewegen und seinen Körper kennen zu lernen und zu beherrschen. Mittels langsam tänzerischen bis hin zu akrobatischen Bewegungen finden Geist und Seele zu einer harmonischen Einheit. Capoeira ist vielschichtig und in unterschiedlichen Formen anzutreffen. Sie entwickelt sich stets weiter, versucht jedoch ihre ursprüngliche Philosophie und Tradition beizubehalten. Die Musik ist der Lebensnerv der Capoeira. Sie versetzt die Spieler in die notwendige Spannung und belebt dadurch sowohl Kampf als auch Tanz.

Capoeira-Brasilien
Contra Mestre Pé de Vento

Capoeira - Spiegel des Lebens

Capoeira wird auch in der therapeutischen Arbeit angewandt und versucht die körperlichen und seelischen Selbstheilungsprozesse zu aktivieren. In Brasilien wird die Capoeira häufig in sozialen Projekten eingesetzt, z. B. in der Arbeit mit Straßen- bzw. Waisenkindern oder Gefangenen und erleichtert so gerade den Menschen aus sozialen Randgruppen, ein neues Selbstbewusstsein, ein Identitätsgefühl und ein Wertesystem aufzubauen. Meist kommen die Kinder aus sozial schwachen oder kaputten Familienverhältnissen, besuchen zum Teil keine Schule und haben kaum Zukunftsaussichten. Für sie ist die Capoeira-Gemeinschaft eine zweite Heimat oder eine neue Familie und ein Treffpunkt für Kinder und Jugendliche, die sich sonst vielleicht häufig auf der Strasse aufhalten würden, wo sie leicht auf die schiefe Bahn geraten können. Durch den Lernprozess der Capoeira können sich bei den Schülern  körperliche, mentale und möglicherweise spirituelle Veränderungen entwickeln, welche sich positiv im Verhalten und Auftreten äußern können. Als Folge dieser inneren Veränderung ändern sich auch das Leben und das Umfeld. Die Schüler lernen ihre Geschicklichkeit und Taktik auch im täglichen Leben anwenden und andere Menschen und neue Situationen anzuziehen. Dadurch können sich ungeahnte Möglichkeiten und Wege eröffnen.

In Europa geht es den Capoeiristas mehr um den Kampf der Befreiung von ihrer Kopflastigkeit, um die Befreiung von ihren Hemmungen und Verklemmtheiten, von ihren Ängsten und Aggressionen. Das sehr soziale und kameradschaftliche Klima in der Capoeira-Gemeinschaft erklärt sich auch durch bestimmte Werte wie Toleranz, Respekt und Solidarität. Das Besondere an der Capoeira ist auch, dass sie international anzutreffen ist, dadurch können Begegnungen mit verschiedenen Nationalitäten gefördert werden. So wirkt die Capoeira auch als international verbindendes Element und stärkt das Einheitsgefühl unter Menschen verschiedener Herkunft.



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